


Bekanntlich genießt das Allgäu mehr Sonnentage als Ostfriesland, die Sächsische Schweiz mehr als der Erzgebirgskamm - der Unterschied beträgt höchstens 300 kWh/m²a (Kilowattstunden per Quadratmeter im Jahr). Aber das ist kein Grund zur Sorge. Für eine rentable Anlage genügt die Sonne in unseren Breitengraden praktisch überall. Wo weniger Sonne scheint, müssen wir der Sonne mehr Kollektorfläche anbieten, damit sie das gleiche Ergebnis für uns erzielt, das ist meistens ein Quadratmeter mehr, manchmal bis zu drei Quadratmeter (also: zwischen einem halben und anderthalb Kollektorfeldern); damit wird man der Durchschnittszahl gerecht (siehe Karte). Viel wichtiger sind die Dachrichtung und die Dachneigung, und wenn zu hohe Bäume Ihr Haus umgeben, kann es knapp werden.
Die Sonne reicht für alle
Etwas zu ehrgeizig wäre es, dieses Prinzip in der norwegischen Stadt Bergen zu verwirklichen, der man ja über 300 Regentage im Jahr nachsagt. Um eine Sonnenernte einzufahren wie in Isny, müsste der norwegische Kollege ein ganzes Handballfeld mit Kollektoren pflastern, wenn gleich nebenan eines dafür frei wäre. Tatsächlich gibt es in Zentralschweden - trotz des langen Winters - eine Anlage mit 10.000 m² Kollektorfläche, eine der größten in Europa. Will sagen: Gehen ging's schon, aber lohnen tät's nicht ... immer. Das ist nicht nur eine Frage der Mehrkosten, sondern der Gegebenheiten an Ihrem Haus.
Die übers Jahr im Durchschnitt beste Dachneigung (in unseren Breiten um die 45°) und die beste Ausrichtung nach Süden hat nicht jedes Dach. Welche Bedingungen genügen, klärt im Einzelfall der Fachberater am Bauort. Ungünstige Verhältnisse kann man durch zusätzliche Kollektorfläche ausgleichen. Schwieriger steht es mit dem Schatten der alten Linde in Nachbars Garten: Zu welcher Tageszeit blockiert sie die Sonnenstrahlen auf Ihr Dach? Manche Standorte sind für Solaranlagen ungeeignet. Da muss der Fachberater mit seinem Sonnenbahnanalysator anrücken. An anderen Standorten kann ein Satteldach, dessen First nach Süden schaut, mit je einem Kollektorfeld auf der Ost- und Westseite eingerichtet werden; steuerungstechnisch ist das ein lösbares Problem.
Kindergarten in Frohnau mit Dach im 45°-Winkel zur Sonne; Lösungen für Sonnenwärmeanlagen sind möglich bis 90° Abweichung aus der Südrichtung
Ausgerechnet im Sommer, leistet die Solarwärmeanlage am wenigsten. Warum? Weil sie nicht mehr Sonne erntet, als im Haus verbraucht (oder vergeudet) wird. Hat der Pufferspeicher seine höchste Temperatur erreicht und es scheint noch immer die Sonne - dann ist Erntepause. Im Sommer braucht man wenig Wärme, man hätte denn ein Schwimmbad zum Aufheizen. Ist Solarthermie daher nicht widersinnig? Nein, denn immer wenn die Sonne durch die Wolken bricht, ernten wir Energie, vorausgesetzt wir haben zuvor Energie verbraucht und der Puffer muss nachgefüllt werden. Sogar im Winter beziehen wir kostenlose Sonnenwärme. Den meisten Nutzen genießen wir in den sechs Monaten der Übergangszeiten, im Frühjahr und Herbst, außerdem an kühlen Tagen im Sommer: Da wird der Heizkessel nicht nur entlastet - da können wir die Heizung sogar aufdrehen. Für Leute mit chronisch kalten Füßen ein willkommener Zusatznutzen, den allzu klein dimensionierte Anlagen selbstverständlich nicht bieten!
Auch für das Duschen zu diesen Zeiten bemühen wir den Heizkessel meist gar nicht. Auch deshalb ersparen wir übers Jahr dem Heizkessel die teuerste aller Betriebsweisen: den Stotterverkehr, mal an, mal aus. Wechselhaftes Wetter im Frühjahr und Herbst, wie in unseren Regionen, bietet für die Solarthermie die besten Bedingungen. Entweder es scheint die Sonne, dann bekommt der Kessel nichts zu tun. Oder sie scheint nicht, aber der Puffer ist voller Wärme - dann hat der Kessel auch nichts zu tun. Nur wenn das miese Wetter anhält, muss der Kessel gelegentlich einspringen. Unter idealen Bedingungen könnte der Kessel in neun von zwölf Monaten arbeitslos herumstehen.
Aber die Frage bleibt: Was passiert mit der überschüssigen Sommerwärme im Kollektorfeld? Dasselbe wie auf dem Schieferdach: nichts. Auch am Lido di Venezia brennt mehr Sonne auf die Haut als nötig. Der Anlage macht es technisch nichts aus, sie ist jederzeit eigensicher, ob wir am Lido sind oder zuhause.