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atmosphaerisches Bild

Familientradition Puppentheater

Für Kinder bis 99, zum Weihnachtsfest


Für die erste Trabbi-Tour in den Westen steuerte er seinen Trabbi nach Rothenburg ob der Tauber. Dort hatte sein Großvater, Rolf Trexler, in den 50er Jahren das Figurentheater am Burgtor gegründet. Dem 1985 Verstorbenen war er nie begegnet, aber die Handpuppen des Großvaters beflügelten ihn, selbst das Theater der Puppen zu erlernen. Aus Spaß an der Freude belegte Timo Leukefeld daher einen Kurs bei Karla Wintermann an der TU Dresden.

In diesen Kursen fertigt jeder Schüler seine eigene Puppe an, er verwächst mit ihr und probt gewissermaßen am lebenden Objekt. Mit "Aladin und die Wunderlampe" beglückte Leukefeld auch ausgewählte Kunden und Partner, darunter den Chef seiner Hausbank. Ja doch, das ist wichtig, siehe unten.

Die Zeugen dieses Kleinbühnenereignisses seien aber trotzdem Freunde geblieben, berichtet Leukefeld. Allerdings erkundigten sie sich diskret vor einem Besuch, ob wieder mit Kunst zu rechnen wäre ...

Tatsächlich haben wir Frau Wintermann mit einem Stück beauftragt. Profis von der Bühne werden eines Tages mit Handpuppen sämtliche Fragen zur Solarthermie ein für alle mal beantworten, unter Einsatz sämtlicher Mittel der Kunst; auch sprachlich soll das ein Leckerli werden. Soviel sei bereits verraten (am besten Sie abonnieren den Sonnenfleck!).

Wie es der Zufall will, tritt nun die Volksbank Chemnitz mit einem Kalender für 2005 hervor, der sicherlich vergriffen ist, bis Sie dieses hier lesen. Er bildet liebevoll fotografierte und beschriebene Puppen des Chemnitzer Figurentheaters ab. Statt mit ihrer Größe zu werben, dass sie Wege freimache und so, man kennt das ja, beweist die Bank mit diesem Kleinod, dass sie sich den Blick für das Edle im Einzelnen sehr wohl erhalten hat.

Falls Sie kein Exemplar des Kalenders ergattern, bieten wir einen kleinen Trost, etwas zum Stöbern zwischen den Festtagen: Eine Fotogalerie der Trexlerpuppen:

altes Schwarzweißfoto von Rolf TrexlerRolf Trexler am Arbeitsplatz des Puppenkünstlers, hier in der Seele des ungarischen Geigers Joschi Popriko. Trexler war eines jener Universaltalente, die wir heute nur noch mit Staunen wahrnehmen: Beispielsweise spielte er jedes Instrument, das man ihm in die Hand drückte. Auch als letzter Moritatensänger in Rothenburg wird er genannt.
Das Theater am Burgtor, das Trexler in Rothenburg gründete, wird mittlerweile von der übernächsten Generation weitergeführt. Mark Schuschnig erwarb das Theater im Jahre 2004 und belebt es seither mit frischen Kräften. So bleibt es auch Heimstatt der Trexlerpuppen: Rothenburger Figurentheater.
Spurensuche des Enkels: Die Handschrift des Künstlers am eigenen Grabstein in Rothenburg.
Da Euer Netzauftritt zeitweilig nicht erreichbar ist, grüßen wir Euer Ensemble eben so: Mark und Tristan Schuschnig, Claudia Bauer, Käthe Gullmann, Alexandra Schubert, Natasha Vincent, Lisa Klein
Gleich hinter dem Burgtor das Theater. Wo der Guide Michelin meint, ein Restaurant lohne den Umweg, oder gar eine eigene Reise, meinen wir: Gucken Sie mal auf der Landkarte, wo Rothenburg liegt. Sehnse, da müssense hin!
Hieronymus, der Nachtwächter, weiß Plätze in Rothenburg, die Sie eben noch nicht kennen.
Die Obazten, eine alteingesessene Kapelle aus Mannsbildern bayrischer Herkunft.
Mannsbilder, die Ihnen zeigen, wie man einen Probenabend zur Steigerung der geistigen Leistungsfähigkeit nutzt.
Wie Heinrich Heines Loreley entstanden sein könnte - sie wird hier dem Spitzwegschen Poeten untergeschoben - oder auch Der Mensch von Kurt Tucholsky?
Der Zither-Jodel-Sepp: Wenn der Zitherspieler zittert, erzittert die Zither - nicht weil sie friert, sondern weil der Zitherspieler die Zitherpfeife wittert. Übrigens wird die Japaner unter unseren Lesern erfreuen, dass das Programm neben Deutsch und Englisch in einem Japanischdialekt gedruckt ist, welcher sich uns jedoch nicht ganz erschließt.
Der Puppentheaterdirektor gibt sich die Ehre.
Sein Diener: "Ich und der Herr Direktor haben beschlossen ..."
Silvio Adjani, zieht im Laufe seines Gesprächs mit dem Geiger einen Frosch aus dem Piano.
Hier derselbe, mit seinem musikalischen Duellanten, dem Geiger Joschi Popriko.
Larifari, der Clown, gibt seine letzte Vorstellung: Abgeschminkt - er blickt auf ein langes Leben zurück, dessen Inhalt es war, Freude zu schenken.
Bellachini, der erste und einzige Zauberer, der zaubern kann. Äh, und zugleich eine Puppe ist. Kein Wunder, dass ihm außer Tokio, Las Vegas und Paris nun auch Oberschöna zu Füßen liegt.
Und noch einmal Hieronymus, der zart besaitete, mit dessen Erlkönig auch unser Rundgang endet.
 Bilder von Timo Leukefeld (bis auf das schwarzweiße - wir bitten den Urheber ggfs. um Nachricht), zusammengestellt von Micha Bader.

Im Museum von Schloß Nossen befindet sich eine an sich bereits sehenswerte Sammlung von Porzellanpuppen und Puppenhäusern. Zur Zeit gibt es außerdem und nur bis März Theaterpuppen dort zu sehen, alle aus Karla Wintermanns Klassen, darunter die Aladin-Inszenierung. Wir stellen Ihnen diese Puppen erst Ende Januar vor, denn das Museum schließt im Januar, da wollen wir Sie gar nicht erst in Fahrt bringen.

Womit wir uns für dieses Jahr dann auch verabschieden möchten: Frohe und geruhsame Festtage wünschen wir Ihnen.

10.12.04 | Oliver Baer

Kommentare zu diesem Artikel:

Das schönste ist doch, den Geschäftpartnern als Mensch zu begegnen.


Eckehard Erben | 17.12.04 11:34

Ja, der Herr Leukefeld war schon immer ein Darsteller. Schön, daß er das jetzt von sich selbst auch auf die Puppen übertragen kann.


Klaus Schneider | 21.04.05 14:49

Ist nicht jeder ein Darsteller seiner selbst? Sogar wer behauptet, er könne das nicht - der stellt auch etwas dar, aber kaum echter als der Könner.


Oliver Baer | 22.02.06 21:46

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