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atmosphaerisches Bild

Ägyptische Sonne

Wem der Chef aufs Dach steigt

So etwas tut man nicht, das weiß er, aber er lässt es nicht. Auf einer - wissenschaftlich verbrämten - Spritztour nach Ägypten, kletterte Timo Leukefeld aufs Dach seines Hotels: Mal gucken, was die hier solarmäßig drauf haben.

Sie verwenden Thermosyphonanlagen, die funktionieren mittels Schwerkraft, d.h. der Speicher sitzt höher als der Kollektor. Das erhitzte Wasser steigt laut Wärmelehre von alleine in den Tank, von dort wird es gezapft. Jeder Kollektor hat einen eigenen Speicher. Für Afrika im Prinzip genau das richtige.

Im Prinzip.

Die Inspektion ergab jedoch eine doppelte Unwirksamkeit der Anlage. Zum einen schuftet ununterbrochen die Heizpatrone, die im Speicher steckt und das Wasser elektrisch nachheizen soll (falls ein Gast in der Nacht duscht), sie ist auf 80°C fixiert. Zum anderen liegen auf den Kollektoren mindestens 2 mm Staub, da dringt kein Sonnenstrahl durch.

Aber selbst wenn man die Kollektoren regelmäßig reinigte (dort wäscht Jahrhunderte lang kein Regen die Kollektoren), würde die Temperatur so kleiner Kollektorflächen die vorgeheizten 80 Grad nur selten überbieten.

Leukefeld empfahl bei seiner Abreise dem Direktor, die Dinger abzuschalten. Selbst mit Elektroboilern im Keller würde er Berge von Geld sparen. Eine absurde Geschichte in diesem sonnenreichen Land. Solaranlagen müssen eben selbst dort liebevoll geplant und gebaut werden.

In Brasilien hatte Leukefeld einmal nachgewiesen, dass viele dieser hingeklatschten Thermosyphonanlagen zu einer Erhöhung (in Worten: auf gehts!) des Hausenergieverbrauches geführt haben.

So macht man sich im Ausland beliebt.

Ägypten Bild 1 Eine von vier Thermosyphonanlagen des Hotels am Roten Meer in Ägypten: Je 300 Liter Speicher und 2 Kollektoren auf dem Dach.
Ägypten Bild 2 Schlechte bis fehlende Dämmung der Rohrleitungen zwischen den Kollektoren und am Speicher, hohe Wärmeverluste. In der Mitte des Speichers sitzt die elektrische Heizpatrone. Kollektoren stark verschmutzt, weil es nie regnet.
Ägypten Bild 3 Elektrische Heizpatrone mitten im Warmwasserspeicher für die Solaranlage, immer auf 80 Grad Celsius eingestellt, gut zu erkennen.
Brasilien Duschkopf Apropos billigste Problemlösung: In Brasilien wärmen sparsame Hausbesitzer Ihr Duschwasser direkt im Duschkopf, nicht vorher. Das geschieht im Durchlauferhitzerprinzip mit frischem Wasser, ohne jeden Wärmeverlust, da sofort nach Erhitzen verbraucht. Das ist, zu den geringsten Investkosten, die beste Energienutzung überhaupt. Außerdem kann man stundenlang duschen. Man muss den Vorgang nur überleben - kein Bild für Elektriker mit schwachen Nerven.


14.12.04 | Oliver Baer

Kommentare zu diesem Artikel:

Ja, meist sind es nur wenige Handgriffe, um eine Wärmeanlage (Heizung, Warmwasserbereitung etc.) zu optimieren. Nur - die Leute (Anwender) haben selbst keine Ahnung. Ist ja auch nicht Pflicht - Technik soll funktionieren und so hat sie der Kunde ja schließlich auch für teures Geld gekauft. Denkt er.
Hat denn der Chef die Anlage noch optimiert dort in Ägypten? 5 Minuten hätten da ja viel getan...

Es grüßt Euch
Robert aus Aurich


Robert Buse | 16.12.04 08:11

...und da muss man das abgebildete brasilianische Duschen-Modell noch als vorbildlich sicher einstufen ;-) Man kann auch direkt neben dem offenen Elektroanschluss duschen ... aber prinzipiell eigentlich nicht verwunderlich in einem Land, wo Heizungssysteme alles andere als eine bekannte Sache sind, oder?


Eric Hänel | 16.12.04 09:55

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