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atmosphaerisches Bild

Englisch hat Vorfahrt

Hinten anstellen, wer es nicht kann

Wenn alle Welt nur noch eine Sprache spricht, nämlich Englisch, missversteht keiner mehr den anderen, wir können die Ausschreibungen der Portugiesen lesen, die teuren Dolmetscher in Brüssel sparen wir uns, statt Deutsch und Fremdsprachen in der Schule gibt es Englisch für alle, der Nationalismus stirbt aus - wenn das keine friedvolle Vision ist.

Sie hat jedoch ihren Preis: Was geschieht in der Zwischenzeit, bis jeder Englisch beherrscht, nämlich so gut wie jetzt seine Muttersprache? Ein, zwei Generationen lang werden wir mit den Angelsachsen in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft nicht auf Augenhöhe verkehren. Zugleich verlieren wir die Muttersprache - außer zum Skatspielen - denn warum sollte man noch ins Deutsche investieren, wenn es sowieso wegfällt? Goethe kann man auch auf Englisch lesen.

Das ist die Zeit, in der wir ein wettbewerbsfähiges Deutsch nicht mehr, ein wettbewerbsfähiges Englisch noch nicht besitzen werden.

Welche Folgen hat das? Werden die Angelsachsen netterweise warten, bis wir übrigen so weit sind, die Deutschen, die Tschechen, die Esten? Reichen die Amerikaner und Engländer Aufträge an landesfremde Unternehmen weiter? Warten die Wissenschaftler ab, streuen sie ihre Patente freiwillig unter alle Nationen, nur weil diese noch kein schlagfertiges Englisch zustandebringen?

Diese Zukunft hat begonnen. Beispiele dafür und was wir zur Sicherung unserer Arbeitsplätze unternehmen können, erfahren Sie im Vortrag "Bald reden wir nur noch Englisch - und was geschieht bis dahin?" am 2. Mai, ab 18 Uhr, im Solarzentrum der Soli fer Solardach GmbH in der Zuger Straße 7b, in Freiberg.

Klick: Einzelheiten zum Ablauf

17.04.05 | Oliver Baer

Kommentare zu diesem Artikel:

Hallo,

mit diesem Artikel schreiben Sie mir aus der Seele. Nicht, daß ich die Problematik so genau durchdacht hätte und das Geschriebene so prägnant hätte zu Festplatte bringen können, aber das damit angesprochene Prinzip kann man doch bei ein bißchen Beschäftigung mit der Sache gar nicht verkennen. Umso verblüffender ist es, wenn vermeintlich so überaus weltoffene Leute in diesem Land jedem "Deutschtümelei" vorwerfen, der nicht mit dem denglischen Strom schwimmt.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Keller


Bernd Keller | 21.04.05 12:14

Im Vortrag am 2. Mai vertiefen wir das Thema, kommen Sie doch hin!


Oliver Baer | 21.04.05 13:04

Hallo,
ich habe Hoffnung, daß dies niemals so extrem eintreten wird. Früher schon haben alle wirklichen und vermeintlichen Schlauberger französisch sprechen müssen und noch früher Latein. Als Wissenschaftler, Theologe, Wirtschaftler oder Politiker konnte sich damals auch keiner seine Zukunft ohne die entsprechende Fachsprache vorstellen.
Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Voigt


Andreas Voigt | 21.04.05 17:41

Wir müssen auch den Unterschied zwischen der Dominanz des Französischen damals und der des Englischen heute begreifen. Und welche wirtschaftlichen Folgen der Kulturverfall in allen Ländern hat, die vom Englischen überflutet werden. Oder bereits hat. Globalisierung und Amerikanisierung müssten nicht dasselbe sein.


Oliver Baer | 22.04.05 11:35

Nach dem Bericht im SPIEGEL (Das deutsch-englische Kauderwelsch des Regierungssprechers Béla Anda) war ich so frei, ihm dieses zu schreiben:

Betreff: Anglizismen

Lieber Herr Anda,

In der Geschäftswelt sind Balanced Scorecard, Corporate Citizenship und dergleichen Begriffe durchaus gebräuchlich, da haben Sie Recht.

Zwei Probleme jedoch wären zu beachten. Erstens haben fast alle Anglizismen des Geschäftslebens gemeinsam, dass sie Worthülsen geworden sind. Und zwar seit ihrer Geburt. Sie leisten nämlich das Gegenteil dessen, was sie vorgeben: Sie klären nichts, sie verkleistern das kritische Wahrnehmen der Wirklichkeit.

Das wäre schon Grund genug, solche Plastikbegriffe zu vermeiden und sich lieber Mühe um den Inhalt der Konzepte zu machen. Sobald man diese Mätzchen auf ihren Sinn abklopft, merkt man: Es handelt sich um intellektuelles Leergut, da passt alles hinein. Sicher, das kann man auch auf Deutsch, aber da kommen einem die Leute schneller auf die Schliche.

Zweitens würden wir durch den Gebrauch englischer Begriffe Weltläufigkeit nur dann beweisen, wenn wir nicht nur Begriffe, sondern die englische Sprache wirklich beherrschten. Das tun wir aber gar nicht. Selbst auf Vorstandsebene global agierender Konzerne wird ein blödsinniges Englisch dahergeredet. Beispiel aus einer Hauptversammlung: "It's better to cut off our hands and feets than our arms and legs" (feets ist kein Tippfehler).

Beherrschung der Sprache heißt mehr, als mit Begriffen um sich zu werfen. In Wirtschaft, Wissenschaft und Politik demonstrieren wir mit unserer sprachlichen Halbbildung nur, dass wir eben nicht weltläufig und schon gar nicht souverän sind. Wir tun, als ob.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Oliver Baer
Marketingberater


Oliver Baer | 22.04.05 14:33

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wem auch immer sei Dank, kann man Goethe nicht im Englischen lesen und schon gar nicht Kant, Luther oder Marx. Wer also nicht nur an Wirtschaft und Geld verdienen denkt, sondern auch an Bildung, wird an Sprache und an fremden Sprachen nicht vorbei kommen. Sprachen sind ein kultureller Schatz, was nicht heißt, daß man sich nicht auf Verkehrssprachen einigen sollte, die möglichst viele verstehen.


Mag. Torsten Oliver Deecke | 01.02.07 21:25

Was mich am Netzauftritt von solifer neben der offensichtlich vorhandenen Fachkompetenz beeindruckt hat, ist der nahezu vollständige Verzicht (na gut, es gilt noch imehl durch Elektro- oder Strompost zu ersetzen, aber man ist schon auf dem richtigen Weg..) auf servile Anglizismen, plustersprachliches Denglisch und sonstiges pseudokosmopolitisches Imponiergefasel.

Wie erfrischend, Leute zu treffen, die sich ganz einfach nicht der eigenen Muttersprache schämen.

Gruß aus London

Joachim Gröger


Joachim Gröger | 02.11.07 16:29

Es gibt bereits ein wunderbares Wort für E-Mail: Im Jiddischen heißt sie Blitzpost. Ob das stimmt, konnte ich bisher nicht überprüfen. Aber das wäre ein bildhaftes Wort. Und es hätte so wenig Chancen sich durchzusetzen wie Netzpost, E-Post und andere sachlich richtige, aber zu spät gekommene Bezeichnungen. Mit "Imehl" nehmen wir das Englischgetue bloß auf die Schippe. Dann wird aus der Mailbox der Mehlkasten, Spam wird zu Mehlstaub und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.


Oliver Baer | 03.11.07 09:34

Zu all diesen intelligenten Sätzen habe ich nur die eine Frage:"Was ist ein Backshop?" Etwa ein Rückenladen? Also das Gegenteil vom Bauchladen? Aber am liebsten kaufe ich im Juiceshop ein denn es ist und bleibt ein Saftladen. So viel von mir zum Thema "denglisch".


Bootsmann | 19.10.09 19:20

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