


In den Kinos zu sehen gibt es eine glänzend gelungene PR-Aktion für Al Gores Karriere in den USA. Falls wir Die unbequeme Wahrheit als Nachhilfestunde nötig hätten, damit wir dem Klimawandel beikommen, dürften wir uns aber getrost schämen. Für zwei Zielgruppen könnte sich der Filmbesuch trotzdem lohnen.
Wenn Sie gut durchdachte animierte Schaubilder aus Statistik und Prognosen zu unserer Umwelt betrachten möchten, zahlt sich der Kinobesuch aus. Wo der Film auf Al Goes Standardvortrag beruht, mit dem er die Welt bereist, finden Sie Schaubilder für Dinge, die Sie in dieser Form noch nicht kannten. Schwer zu ertragen (außer für Marketingexperten) ist nur das Leitmotiv des Films, immer wiederkehend in Bildern über Al Goes Lebensweg. "Ich weiß nicht," grummelte ein Kollege, "ob ich aus einem Volk belehrt sein möchte, das die Umwelt seit Jahrzehnten mit ebenso viel Gedankenlosigkeit wie Tatkraft vernichtet."
Für Mittel- und vor allem Nordeuropäer ist dieser Film so notwendig wie eine klimatisierte Hundehütte. Für uns gilt Victor Hugos Hinweis: "Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Wenn es schon so weit ist, dass eine Koalition der Christdemokraten mit den Grünen erörtert wird, ist der Umweltschutz in der Mitte des Stromes im Zeitgeist angekommen. Punkten kann ein Anbieter mit dem Umweltargument nicht mehr - außer auf der Minusseite, nämlich wenn er schummelt. Es gab mal eine Zeit, als Aerosole in Verdacht gerieten, die Atmosphäre zu schädigen. Als wir im Rheinland daraufhin gegen Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW) zu Felde zogen, hielten uns die Leute für Kommunisten ...
Es bleibt die Frage: Wozu brauchen wir Al Gore und seinen Film? Sind Franz Alt und Hermann Scheer zu trocken, um verstanden zu werden? Machen sie auf der Mattscheibe nichts her? Keineswegs, denn altbacken kommt auch Al Gore über die Rampe. Telegen ist hingegen Nicolas Hulot, Chef der Grünen in Frankreich, der die kommende Präsidentenwahl aufmischen könnte - die anderen zittern, er könnte auch kandidieren, dann fehlten am Ende ihnen die Stimmen zum Sieg. Nein, nicht Al Gores Charisma macht diesen Film sehenswert.
Eine unbequeme Wahrheit, das muss man ihrem Regisseur Guggenheim lassen, hält uns neunzig Minuten lang an der Schwelle zwischen Gähnen und Faszination. Person und Sache inszeniert er brilliant, das ist perfekte politische Propaganda. Dass der Film beharrlich an der Oberfläche plätschert, gehört zu seinem Konzept. Aber irgendwann begreift der fortgeschrittene Kinobesucher, dass man mit denselben Kniffen gegen den Islam hetzen könnte, oder dafür, das ist unerheblich. Rhetorisches Geschick, gut illustriert, dabei schön die Gefühle ansprechen, schon gehen die Leute irgendwie geläutert nachhause. Aber das ist Kitsch, das ist Marketing, wie es einem zum Halse heraushängt.
Wünschen wir Al Gore in Amerika viel Glück, dort gibt es noch Viele zu bekehren aufzuklären. Ob Sie sich eine 90-minütige Werbung für seinen erneuten Anlauf ins Weiße Haus antun müssen? Eine freundlichere Antwort darauf liefert das Kinofenster. Auch diese Kritik illustriert aber nur: Zur politischen Korrektheit gehört, dass wir in Sachen Klimaerwärmung erst einmal ganz fromm dreinschauen. Und unsere Weichgeklopftheit kundtun, dass wir in Sachen Klimaerwärmung mehr Schuld tragen als die Menschen in der Dritten Welt. (ob)
Grüezi
So schlecht, wie Sie den Film darstellen, ist er doch nicht. Dass Sie und ich in Sachen Umweltschutz "aufgeklärt" sind, heisst noch lange nicht, dass es die übrigen 220 Mio. Amerikaner auch sind. Dass Herr Gore Werbung für Umweltschutz betreibt und verdeckt auch "in eigener Sache", damit kann ich gut leben, wenn der Umweltschutz schlussendlich davon profitiert. Solange jedoch Herr Bush "am Ruder" ist, geschieht bestimmt nichts.
Gruss
Jaro Podhradsky
So lange noch neue Häuser ohne regeneratve Energieversorgung gebaut werden, die Leute (auch in Mitteleuropa) "mal so" irgendwohin jetten und gedankenlos mit Ressourcen jeder Art umgehen, weil wir es uns ja (immer noch) leisten können, sollte man sich solch einen Film ruhig mal anschauen. Den sehen - und verstehen - nämlich auch solche Leute, die weder Herrmann Scheer noch Franz Alt jemals auch nur dem Namen nach kennen gelernt haben. Klar gibt es hier in Deutschland mehr Leute, die umweltbewusst sind, als in den USA, und auch unsere Politik mag schon auf dem richtigen Weg sein - aber wie viele Prozent sind das und gegen welche - teils organisierte, teils gedankenlose - Widerstände haben die anzukämpfen?
Wenn Otto Normalverbraucher wenigstens mal über die Sache nachdenkt, seine eigenen Gewohnheiten und Bedürfnisse kritisch anschaut oder gar bei Politikern die Lobby für weitere Kohlekraftwerke hinterfragt, ist der Film schon gut angelegt. In der Sorge um unsere Umwelt können wir (auch hier in Deutschland) jeden Denkanstoß und jeden Impuls gebrauchen, der die Frage nach der Klimaproblematik populärer macht - sogar wenn er aus Amerika kommt, oder nicht? CW
Ich frage mich nach dem Film, was wohl die Zuschauer zwei drei Wochen nach dem Film mit dem dort gewonnenem Wissen machen. Folgen der Erkenntnis dann Taten? Wenn das nicht der Fall wäre, was hilft dem wirklichen Umdenken, aus dem ein aktives Handeln erwächst? Höhere Preise für Energie bewirken zum Beispiel sofort einen sparsameren Umgang mit Energie. Angstmacherei führt eher zur Verdrängung der eigentlichen Ursachen.
Ich sehe nicht ein, weshalb wir uns auf das populistische Niveau amerikanischer Wahlkämpfe einlassen sollten, während wir uns in Europa mit diesen Dingen seit Jahrzehnten ernsthaft auseinandersetzen, neuerdings sogar im Vereinigten Königreich. Siehe hierzu beispielsweise die Studie von Sir Nicolas Stern, Leiter des Wirtschaftsdienstes der britischen Regierung und früherer Chefökonom der Weltbank: Stern Review on the economics of climate change, die recht gut kurz gefasst unter dem Titel Stern-Report bei der Wikipedia nachzulesen ist.
Nur zwei Gedanken:
1. Der "Otto Normalverbraucher" wird heute mit derart viel Werbung (die ja letztendlich eine Art von Kommunikation ist) zugedeckt, dass er viele Fakten nach dem Wahrnehmen schon vergessen hat. Beispiel: Ich war neulich in einem wirklich guten Konzert - durch Zufall, denn es wurde so gut wie keine Werbung dafür gemacht. Die Folge - Der 800-Mann-Saal war mit 15 Personen besetzt.
2. Die Kommunikation im Internetzeitalter hat es geschafft, dass "Otto Normalverbraucher" bei den vielen Begriffen nicht mehr durchblickt. Hinzu kommt, dass viele Begriffe verwendet werden, wo der Verwender seine eigene Definition hat. Beispiel: Solarenergie (Fragen Sie Timo Leukefeld, wie oft er die Unterschiede erst einmal klarstellen muss).
Oder Besser noch Atomenergie ! Wir sind uns wohl (fast) alle einig, dass die Kernspaltung in der Art von Kraftwerken wie Tschernobyl nicht der Gangbare weg ist. Aber Atomenergie oder Kernenergie beinhaltet noch viel mehr.
Vergleichen Sie auch mal in der Politik:
Der „Kohlepfennig“ im Jahr 1995 war von der Höhe genauso hoch wie die gesamten Gelder der BRD von 1952 bis 1995 zusammen. Wo liegt hier der Fehler?
Die Grundfrage ist immer: „Wem nutzt es?“ (Günter Jauch würde jetzt Hilfestellung geben wie:
a) Otto Normalverbraucher;
b) den deutschen Wäldern;
c) den Weltmeeren;
d) einer kleinen Finanzlobby
Nur so viel zu Al Gore:
Ist Al Gore ein "Umwelt-Heuchler"?. Angeblich macht er sich jetzt Gedanken, den Energiehaushalt seiner Residenz zu minimieren.
Vielleicht sollte man sich Populisten nicht als Vorbild nehmen. Grüße
Rocki
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe mal eine Frage und zwar:warum gibt es so wenig informationen zu Ausbildungsplätzen bei solifer?Nehmen sie überhaupt Auszubildende?Ich wäre Dankbar für mehr info`s.
Danke.
Es gibt so wenig Informationen, weil alle drei Ausbildungsplätze besetzt sind und wir zur Zeit keinen weiteren einrichten können.