


Wir hätten gegen gezielte Laufzeitverängerungen wenig einzuwenden, wenn der AKW-Industrie überhaupt zu trauen wäre. Ihren Vertrauenskredit hat sie jedoch verspielt, so dass zu befürchten steht: Auch den schönen Worten mag hier keiner glauben, dass die solcherart erzielten zusätzlichen Gewinne der Erschließung erneuerbarer Energiequellen zugute kommen würden - bis auf ein Feigenblättchen ist nichts zu erhoffen.
Sehr besonnen formuliert ist das Schreiben von Campact an die Koalitionäre, die zur Zeit die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke verhandeln. Dazu erhielt Ihr Autor diesen Brief von seinem Stromlieferanten (EWS Schönau):
Lieber Herr Baer,
schon über 95.000 Menschen haben in den letzten zwei Wochen einen Offenen Brief an Merkel, Seehofer und Westerwelle unterzeichnet und Protest angekündigt, wenn am Atomausstieg gerüttelt wird. Die Aktionen der Anti-Atom-Bewegung entfalten bereits ihre Wirkung: Die schwarz-gelben Koalitionäre streiten sich mittlerweile darum, ob längere Laufzeiten für Atomkraftwerke im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden – oder alles bis nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen offen bleibt. Noch ist der Ausstieg aus dem Atomausstieg alles andere als beschlossene Sache.
Jetzt müssen wir den Koalitionären weiter verdeutlichen, wie groß die öffentliche Ablehnung einer Aufkündigung des Atomausstiegs ist.
Unterzeichnen Sie den Offenen Brief "Nicht am Atomausstieg rütteln!". Am morgigen Freitag - vor der nächsten Runde der Koalitionsverhandlungen - wird der erste Schwung Unterschriften an die Verhandlungsführer/innen überreicht. Bis dahin sollen weit über 100.000 Unterzeichner/innen zusammengekommen sein. Die Aktion wird vom Kampagnen-Netzwerk Campact, dem BUND, der IPPNW, ausgestrahlt und der Naturfreundejugend getragen. Wir als EWS unterstützen den Offenen Brief und bitten Sie als unsere Kunden, ihn zu unterzeichnen, wenn Sie das genau so sehen.
Hier geben wir Ihnen den Wortlaut des Protestschreibens wieder. Es führt die Punkte auf, die auch uns, ohne Schaum ums Maul, wichtig sind:
Nicht rütteln am Atomausstieg! Sehr geehrte Frau Merkel, CDU, CSU und FDP haben die Bundestagswahl nicht wegen, sondern trotz ihrer Position zur Atomenergie gewonnen. Nach allen aktuellen Umfragen lehnt eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger/innen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke ab. Mehr als drei Jahrzehnte lang hat die Auseinandersetzung um die Atomkraft die Republik erschüttert und tief gespalten. Erst der 1999 zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen vereinbarte Atomkonsens hat dem gesellschaftlichen Konflikt einen Teil seiner Schärfe genommen. Jede Laufzeitverlängerung für Atomreaktoren wird die notdürftig zugeschütteten Gräben des Konflikts wieder aufreißen und zur Renaissance des Anti-Atom-Protests führen. Um den gesellschaftlichen Frieden zu bewahren und die Energiewende zu sichern, fordern wir Sie auf: Sorgen Sie dafür, dass die sieben ältesten, besonders unsicheren Atomkraftwerke und der Pannenreaktor Krümmel jetzt vom Netz gehen! Ziehen Sie einen Schlussstrich unter die jahrzehntelangen Lügen, die den Ausbau des völlig ungeeigneten Salzstocks Gorleben zum Endlager begleitet haben! Starten Sie eine neue, vergleichende Standortsuche nach klaren Kriterien. Stärken Sie den Ausbau der Erneuerbaren Energien und fördern Sie Energieeffizienz: Jedes Aufweichen des Atomausstiegs zerstört die Investitionssicherheit dieser Zukunftsbranchen. Sollte Ihre Regierung den Atomausstieg jetzt nicht endlich vollziehen, werden wir uns an den zu erwartenden, massiven Protesten der Anti-Atom-Bewegung beteiligen. Mit freundlichen Grüßen, usw. ...
sehr geehrter Herr Seehofer,
sehr geehrter Herr Westerwelle,
Falls Sie noch nicht überzeugt sind: Hier finden Sie 100 gute Gründe, von denen Sie einige sicher noch nicht kannten - behauptet die EWS Schönau. Dem ist nur hinzuzufügen: Tun wir etwas, unterzeichnen wir diesen Brief hier: Schreiben der Campact an die Koalitionäre!
Das Interessanteste an der Atomdebatte ist fuer mich immer die mangelnde Einsichtigkeit der Planer, was die belegte Unwirtschaftlichkeit der Technik anbelangt.
Wenn schon Leute wie Steve Kidds, Direktor fuer Strategie und Forschung der World Nuclear Association (wohl mit Sicherheit keine Atomstromgegener!), es fuer unmoeglich halten, die Baukosten (und damit auch die Bauzeit, denn Zeit ist Geld!) fuer neue AKWs sicher vorherzusagen ("What is clear is that it is completely impossible to produce definitive estimates for new nuclear costs at this time..." [Nuclear Engineering International, August 2008]), sollte man doch eine gewissen "Zurueckhaltung" bei den Planern in der Politik erwarten duerfen.
Aber Fehlanzeige!
Selbst der Hinweis, dass AKWs von allen verfuegbaren Techniken den geringsten Beitrag zum Klimaschutz, der doch angeblich eben diesen Leuten so sehr am Herzen liegt, leistet, macht auf sie keinen Eindruck: siehe Rocky Mountains Institute.
Was also treibt diese Leute um?