


Zur Pionierzeit seiner Entwicklung verschafften Straßenrennen dem Stinkekarren zum Durchbruch. So nannte Kaiser Wilhelm II das Automobil, bevor er sich selber zwei Dutzend davon zulegte. Bundespräsident Horst Köhler wird, in aller Bescheidenheit, ein Exemplar genügen, nachdem wieder ein Straßenrennen den Durchbruch besorgt haben wird, diesmal für Autos mit alternativem Antrieb.
Sechs Fahrzeuge begannen im Februar 1908 das - immer noch - längste Autorennen der Welt. Ihre Route wäre selbst heute noch abenteuerlich, sie führte von New York über Kanada, China, die Mandschurei und Mongolei, durch Sibirien und Europa, bis nach Paris. Damals war das Automobil "das zerbrechlichste Gerät der Welt" (London Daily Mail) und ausgebaute Straßen gab es nicht, über hunderte von Kilometern gab es überhaupt keine befahrbaren Wege. Im Tauwetter der Tundra kamen die Renner keine Kilometer pro Stunde, nur Meter pro Tag voran. Sponsoren des Ereignisses waren die New York Times und Le Matin aus Paris, sie lieferten der Weltöffentlichkeit tägliche Berichte über den Fortgang. Sechs Monate später erreichte der erste Wagen das Ziel und fortan war die selbstfahrende Kutsche als Transportmittel der Zukunft anerkannt.
Solche Ereignisse würden heutzutage schon am TÜV scheitern, so halsbrecherisch war die Benutzung dieser Maschinen auf offener Straße. Man könnte schmunzeln über die Parallelen zur heutigen Lage technischer Pioniere in Deutschland, wie sie die Berliner Zeitung beschreibt: Wagen ohne Pferde im Kampf gegen die Uhr: "... Karl Benz und Gottlieb Daimler ... fanden in Deutschland kein geeignetes Klima für ihre Erfindungen. Benz beklagte sich bitter über die Standortnachteile in der deutschen Kleinstaatenwelt. Dem Großkapital bescheinigte er schwerfällige Zurückhaltung. Und auch von behördlicher Seite wurde den Pionieren der Automobilfahrt das Leben schwergemacht."
Inzwischen kommt uns der Durchbruch der Benzin und Diesel feuernden Fahrzeuge wie ein Danaergeschenk vor. Die deutsche Wirtschaft mag sich ohne Autoindustrie keiner mehr ausmalen. Aber weltweite Überkapazitäten werden das Ende von mindestens einem der großen Anbieter erzwingen. Ihr Überleben hängt bald davon ab, wie flott der Umstieg auf Elektrofahrzeuge gelingt. Zu früh für die großen Hersteller kommt jedenfalls das Zero-Emission-Rennen "In achtzig Tagen um die Welt", das im Juni 2010 gestartet wird. Teilnehmen dürfen Autos und Räder mit alternativem Antrieb. Die Starterliste imponiert schon jetzt mit zwölf Teilnehmern, darunter sechs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, davon ist eines der berühmte Tesla aus Kalifornien (der mit den 6381 Lithium-Ionen-Akkus). Ihn schickt die Werbeagentur Green Advertising (Königswinter) ins Rennen (mit diesem Klick finden Sie eine deutschsprachige Beschreibung der Rennregeln).
Die Idee stammt von Louis Palmer, der in seinem Solartaxi als Erster die Welt im Elektromobil umrundet hat. Auf seiner Website finden Sie viel Erbauliches und sehr Unterhaltsames. Zwar sind die zwei Dutzend gut gefilmter Kurzvideos seiner Etappen in englischer Sprache gehalten, sie bereiten aber trotzdem Freude. Unschlagbar schweizerisch ist Palmers Verknüpfung aus Gelassenheit und Mordsspaß an einer Sache, die unglaublich nützlich ist. Wenn es einer schafft, dem Elektroauto in der öffentlichen Wahrnehmung eine gesunde Gesichtsfarbe zu verpassen, dann wird es Louis Palmer sein. Die FIA (Internationale Automobilföderation), die schon längst die künftige Formel Eins für Elektrorenner hätte ausschreiben können, ist derweil mit sich selbst beschäftigt. Vielleicht sollte mal jemand mit den Leuten reden ...