


Die Suche nach "waste is inefficient" ergibt im Google über 63.000 Fundstellen. Michael Braungart ist nicht der einzige, und war nicht einmal der erste, der in Sachen Abfall (waste) und Ressourcen gegen den Strich denkt.
Manche zucken zusammen, wenn der Name Braungart fällt. Woran das liegt, werden wir mit einiger Begeisterung nicht näher verfolgen - jeder hat das Recht auf seine eigenen Befindlichkeiten. Das Gedankengut, um das es geht, ist jedenfalls so neu nicht, wennschon es hierzulande weiterhin als revolutionär gilt. Dabei hat es bereits bei vielen Produkten und in einigen Ländern zu dem Beginn einer Kehrtwende geführt, namentlich in den Niederlanden. Und in Kalifornien, von dem man wissen sollte: Dieser Bundesstaat der USA wäre, auf sich gestellt, weltweit die achtgrößte Wirtschaftsmacht nach den USA selbst, Japan, China, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien.
Wir verfolgen mit wachsender Neugier die Frage, wer ähnlich denkt und handelt. Dazu zählt das Genfer Institut für Produktdauer-Forschung, das bereits 1982 gegründet wurde. Hier die ersten Worte auf der Startseite: "Der Schwerpunkt des Instituts für Produktdauer-Forschung liegt auf praktischen Strategien und Vorgehensweisen, damit ein höherer realer Wohlstand, wirtschaftliches Wachstum und mehr qualifizierte, auch handwerklich geprägte Arbeitsplätze mit einem deutlich geringeren Ressourcenverbrauch erzeugt werden können; Geschäftskonzepte einer funktionalen Dienstleistungswirtschaft entwickelt und realisiert werden, deren Fokus der Nutzungswert als zentraler wirtschaftlicher Begriff ist; Initiativen des privaten Sektors in der Lage sind, öffentliche Aufgaben zu finanzieren."
Das Institut benennt seine Vision als eine Wirtschaft und Gesellschaft, die auf "fünf Pfeilern" der Nachhaltigkeit ruht:
Der Auftritt im Netz ist unfertig, aber er macht Appetit auf mehr. Zu den Kunden des Instituts zählen prominente Namen, darunter Siemens, Bosch, Kodak und die United States Environmental Protection Agency, sowie augenscheinlich die Europäische Kommission. Wer das weitere auf der Startseite liest, findet einige Parallelen zu dem im Sonnenfleck bereits vorgestellten Gedankengut. Im englischen Teil der Website stoßen Sie auf etwas Rührendes: Offenbar beanspruchen gleich mehrere Vordenker die Urheberschaft des Begriffes Cradle to Cradle. Tatsächlich stimmen hier einmal die Bedeutungen in den drei größten Muttersprachen Europas (Deutsch, Englisch, Französisch) überein: Von der Wiege zur Wiege spielt auf die allen gemeinsame Redewendung an: Von der Wiege zur Bahre. Das ist hübsch europäisch.
Uns fällt ein Gesichtspunkt auf, der zu wenig zur Geltung kommt: Die "zweite industrielle Revolution", in der wir laut Braungart praktisch alle Produkte neu erfinden müssen oder besser: können und dürfen, wird Millionen Menschen wieder in Brot und Arbeit versetzen. Die Schweizer Robert Stahel und Genevève Reday versprachen solches bereits 1976/81 dem damaligen Vorläufer der Europäischen Kommission in einem Bericht: "Jobs for Tomorrow, the potential for substituting manpower for energy". Ihre Arbeit gab den Anstoß für die Gründung des Institutes. Möglicherweise hat sich erst seither der Schwerpunkt ihrer Arbeit von der Energiefrage zur Frage der Stoffströme verlagert. Denn im Grunde haben wir auf der Erde kein grundlegendes Energieproblem, sondern eines im Umgang mit den Ressourcen, dazu zählen auch die Energiequellen: Sonnenenergie git es mehr als genug, aber die Rohstoffe gehen uns aus, wenn wir weiter so wirtschaften wie bisher. In der EU scheint das Thema wenig Widerhall gefunden zu haben. Die Japaner hingegen sind hellwach. Ihr Industrieministerium MITI gab 1995 die Parole aus: "Abfall ist Ineffizienz und daher unjapanisch". Wir sind gespannt, wann wir uns auch hierzulande die Augen reiben. Wir suchen weitere Quellen, auf die wir unsere Leser hinweisen können und bitten um Ihre Mithilfe.
Die Chemie-Industrie scheint nun auch in Deutschland aufzutauchen (die „Rohstoffchemie bangt“ um ihre Zukunft) und fordert von der Politik Teil-C2C’s + Irrwege:
Chemie-Organisationen rufen zum Kampf gegen Rohstoffknappheit auf.