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atmosphaerisches Bild

Königreich Saba

Sanaa

Heute käme kein Ingenieur auf den Gedanken, so etwas wie Juanelo Turrianos Wasserballettmaschine aus dem 16. Jahrhundert zu bauen.

Diese Maschine tat genau das, was eine menschliche Eimerkette leistet, nur wanderte statt der Eimer mit Wasser nur das Wasser. Es wurde durch elegante Hebelbewegungen von einem rinnenförmigen Behälter in den nächsten, höher gelegenen gekippt, und das ganze war angetrieben von der Flussenergie des Tajo-Flusses.

Auf diese Weise besorgte sich die Stadt Toledo 16.000 Liter pro Tag. Dafür hätten Tag und Nacht 300 Ledersack tragende Maulesel zwischen Fluss und Stadt pendeln müssen. Die Methode kannte man schon.

Was den Toledanern billig war, ist einem Drittel der Weltbevölkerung nicht nur teuer, sondern vorderhand unerreichbar. Zu dem umstrittenen Björn Lomborg (Apocalypse No!) mag man stehen wie man will (die Szene beschimpft den ex-Greenpeace'ler mit einer wahren Inbrunst), sein Verweis macht uns stutzig: Die Wasserfrage sei wichtiger als der Kohlendioxidhaushalt dieser Erde. Im arg genässten Flutgebiet der Elbe kommen uns solche Gedanken nicht vonselbst, das geben wir zu. Außerdem ist uns aufgefallen: Das Wasser, das in der Ferne fehlt, bringen wir auch nicht durch Verzicht auf die morgendliche Dusche dort hin.

Beispielsweise zur jemenitischen Hauptstadt Sanaa, sie verbraucht derart viel Grundwasser, dass der Spiegel bis zu 6 Meter im Jahr fällt. Das entspricht zwei Stockwerken Ihres Wohnhauses!

Vielleicht erinnern Sie sich an die Expo 2000, da gab es im Jemenitischen Pavillon Nachbauten dieser mittelalterlichen Hochhäuser zu sehen, wie sie in der Sanaaer Altstadt bis zu acht (!) Stockwerke hoch die Jahrhunderte überdauern, pfiffig gebaut und wundersam dekoriert.

Man mag sich kaum vorstellen, was aus dieser, 2300 m über dem Meeresspiegel für nur zehntausend Bewohner gebauten Stadt werden mag, wenn da jeden Tag eine Million Leute Wasser zapfen wollen.

Bleiben wir beim Ingenieursproblem: Die Versorgung mit Wasser aus dem Roten Meer scheitere bereits am Energiebedarf, so heißt es. Worauf sich der solarbewegte Laie hinterm Ohr kratzt: 50 Grad im Schatten, die Sonne scheint rund um die Uhr, also jedenfalls im Vergleich zu Osnabrück, da müsste Sonnenstrom megawattweise zu ernten sein. Die Entsalzung macht man per Solarthermie, den Transport per Photovoltaik, warum also nicht? Bevor die dort sinnlos Geld rausschmeißen für ein Atomkraftwerk - so gesehen...

Das sehr fruchtbare Plateau von dem wir reden, kennen wir aus der Bibel als das Königreich Saba, das ist keine gottverlorene Wanderdüne am Ende der Wüste. Die Römer nannten Saba das glückliche Arabien (felix Arabia), später war es ein frühchristliches Zentrum, und im Islam wetteiferte es gar mit Mekka.

Vielleicht liest hier einer mit, der das Thema aufgreifen mag. Wir räumen hier gerne Platz zum gemeinsamen Grübeln ein. Auf das Thema Wasser kommen wir immer wieder zurück.


(Dieser Beitrag stand in der eMail-Ausgabe des Sonnenflecks vom Mai 2003)

31.05.03 | Oliver Baer

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