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Sonnenhaus ist kein Passivhaus

Das Passivhaus ist nicht zu verwechseln mit dem Sonnenhaus. Die Bauweisen stehen für völlig unterschiedliche Lebensstile. Das Passivhaus eignet sich für Bewohner, deren Lebensumstände zu den Besonderheiten dieses Haustyps passen oder passend gemacht werden. Das Sonnenhaus erlaubt Fortführung des gewohnten Lebensstils.

Einige Vorzüge des Passivhauses schlagen in ihr Gegenteil um, wenn die Bewohner das Haus nicht typgerecht bewohnen. Seine Kennzeichen sind erstens eine drastische Verringerung des absoluten Wärmebedarfs und des Primärenergiebedarfs. Hierzu muss das Passivhaus einigen Bedingungen gerecht werden:

  • Die Lüftungsanlage schafft durch Wärmerückgewinnung eine geregelte und gleichmäßige Luftqualität
  • Absolute Luftdichtheit muss durch sehr intensive Dämmung und Isolierung an Türen, Fenstern und Dach geschaffen werden
  • Fenster müssen dreifach verglast sein
  • Die Abwärme der Bewohner, der Haushaltsgeräte und druch das Kochen, duschen usw. muss genutzt werden.

Tatsächlich erreicht das Passivhaus auf diese Weise beim Wärmebedarf das Ende der Fahnenstange. Es schneidet besser ab als jedes andere Haus, besser als die vielen interessanten Niedrigenergiehäuser und das Energiesparhaus 40, auch besser als das Sonnenhaus.

Kostenvorteil beim Sonnenhaus

Stadthaus als SonnenhausAnders jedoch, wenn nach den Kosten des Heizens gefragt wird; hier kippt der Vorteil des Passivhauses. Zwar ist der Wärmebedarf beim Passivhaus geringer als beim Sonnenhaus, aber es verbraucht Strom zum Heizen und der besitzt als Edelenergie eine höhere Wertigkeit. Das Passivhaus verbraucht daher drei bis siebenmal so viel Primärenergie als das Sonnenhaus und der dafür entsprichtete Strompreis schlägt auf die Heizkosten durch.

Beim Sonnenhaus und anderen Solarhäusern, an denen wir mitwirken, ist der Strombedarf beschränkt auf die Hilfsenergie, zum Beispiel für die Pumpen, und bei unseren Anlagen umso mehr, als wir besonders sparsame Hocheffizienz-Pumpen verwenden.

Besser als das Sonnenhaus schneidet das Passivhaus ab beim Nutzenergiebedarf (auch Endenergiebedarf genannt). Das ist jedoch unerheblich, denn das Sonnenhaus bezieht seine Energie zu 55 bis 100 Prozent kostenlos. Deshalb liegt das Sonnenhaus eindeutig besser bei den Energiekosten, beim Primärenergieverbrauch und beim Ausstoß von Kohlendioxid. Folglich ist das Sonnenhaus auch krisenfester, wenn die Energiepreise explodieren.

Hierzu gibt es Einzelheiten sowie Schaubilder (im Profi-Abschnitt)

Sonnenstrom für die Wärmepumpe?

Passivhäuser werden mittels Wärmepumpe beheizt. Die Frage liegt nahe, ob die Wärmepumpe mit Sonnenstrom versorgt werden kann - das würde den Vorteil des Sonnenhauses vielleicht aufwiegen.

Das ist bei Eigenheimen nicht möglich. Die Photovoltaikmodule auf dem Dach des Passivhauses erzielen zwar über das Jahr einen Energieüberschuss. Rein rechnerisch könnte daraus die Energie stammen, welche die Wärmepumpe benötigt um das Haus zu heizen. Jedoch gibt es im Winter zu wenig Sonne zum Heizen. Strom lässt sich schwer speichern - im Gegensatz zur Wärme. Folglich wird die Wärmepumpe eines Passivhauses im Winter kaum vom eigenen Dach, sondern fast nur aus dem Netz mit Strom versorgt. Wogegen nichts einzuwenden ist, die Einspeisevergütung bleibt über zwanzig Jahre gleich. Nur die Strompreise bleiben es nicht und in welchem Maße die Wärmepumpe mit einem Vorzugstarif bedacht wird, ist nicht vorhersehbar.

Lebensstil 

Nicht als Kritik, nur zur Klarstellung ist hier zu ergänzen: Die Bewohner orientieren sich am Zweck des Passivhauses. Die Fenster bleiben zu, gelüftet und geheizt wird zwangsweise und zwar meist mit Strom (entweder direkt oder mit einer Wärmepumpe), das Duschwasser wird fast immer mittels Stromdirektbeheizung erwärmt.

Beim Sonnenhaus gibt es die Energie kostenlos von der Sonne und genug davon, um wie gewohnt zu leben: Man lüftet, man heizt, öffnet die Fenster, dreht die Heizventile auf oder zu, wie es einem behagt. Die Wärmereserve im Pufferspeicher reicht auch über lange Strecken im Winter (beispielsweise beim Energetikhaus 100 sogar über den gesamten Winter). So kommt, in Euro gerechnet, ein besseres Ergebnis heraus, dank der Sonne. Und die Bewohner müssen ihren Lebensstil nicht ändern, um ein Sonnenhaus erfolgreich zu bewohnen.

Fehlen im Winter die kochenden, duschenden Bewohner (weil im Skiurlaub), dann unterkühlt das Passivhaus. Bedingt durch das Konzept des Passivhauses, ist die Zeit zum Wiederaufheizen lang, schnelles Aufheizen ist nicht möglich; ein offener Kamin würde das Konzept des Passivhauses zerstören. Umgekehrt überhitzt das Passivhaus an heißen Sommertagen, und wenn zu viele Gäste das Haus bevölkern; dasselbe geschieht bei Stromausfall. Je nach Lüftungssystem sind alle Räume gleich warm, da die Temperatur über die Lüftung gesteuert wird; unterschiedliche Lüftung der Räume wäre für ein Eigenheim zu aufwendig. Zumal im Badezimmer wäre sie wünschenswert, ist aber nur durch Zusatzheizung (elektrisch) möglich. Schließlich bedingt die Soll-Festlegung des Primärenergiebedarfs, dass nur energieeffiziente Geräte verwendet werden. Das ist kein Nachteil, aber es gehört in die Vergleichsrechnung einbezogen.

Kein Problem bei bewusster Entscheidung 

Im Grunde sollte man die beiden nicht gegeneinander ausspielen. Zufrieden sind die Bewohner in beiden Häusern, vorausgesetzt, sie entscheiden sich bewusst für die Wohnwelt und die Lebensanschauung ihrer Wahl. Der typische Sonnenhausbewohner empfände als Zumutung, was er im Passivhaus nicht darf und was er tun muss, damit das Konzept funktioniert. Umgekehrt wird der typische Passivhäusler zu schätzen wissen, dass er nicht ständig aufpassen muss: Das versehentlich offen gelassene Fenster kommt bei ihm nicht vor, es bleibt zu, alles weitere erledigt die automatisierte Lüftung und Heizung.

Mehrkosten

Die Mehrkosten beim Bau eines Passivhauses sorgen dafür, dass jede eingesparte Kilowattstunde Wärme mehr als viermal so teuer ist als wenn man sie durch Sonnenkollektoren gewinnt und dafür den Heizwärmebedarf des Hauses nicht ganz so tief nach unten schraubt - so die Rechnung des Architekten Georg W. Reinsberg.